Interview mit Gaby Winsauer (44), Projektleiterin für Bauökonomie bei Halter AG | Entwicklungen in Zürich.

Welchen Traumberuf hatten Sie als Kind?
Das hat ständig gewechselt. Von Verkäuferin an der Migros-Kasse über Coiffeuse bis zur Zahntechnikerin war alles dabei.
Was hat Sie schliesslich dazu bewogen einen Beruf in der Baubranche zu ergreifen?
Meine Lieblingsfächer waren Mathematik und Zeichnen. Mit einer Lehre zur Hochbauzeichnerin konnte ich dies ideal verbinden.
Wie sind Sie zu Ihrer aktuellen Funktion gekommen?
Bereits während des Architektur-Studiums stellte ich fest, dass ich nicht die grosse Entwerferin bin. Auf der Suche nach meiner wahren Berufung fand ich eine Stelle als Baukostenplanerin und entdeckte so meine Leidenschaft zur Bauökonomie.
Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?
Als Projektleiterin Bauökonomie bei einem Immobilien-Entwickler arbeite ich mit verschiedenen Projektleitern zusammen. Somit sehe ich viele verschiedene Charaktere und Projekte. Diese Vielfalt und natürlich die Zahlen und Tabellen liebe ich an meiner Arbeit.
Worüber können Sie sich im Berufsalltag am meisten ärgern?
Die Trägheit der Bauwirtschaft ist mühsam. So dauert es Jahre wenn nicht Jahrzehnte, bis eine neu in Kraft getretene Norm oder Technologie in der Praxis auch angewendet wird.
Welchen Stellenwert hat Ihre Funktion im Bauprozess?
Durch Berechnungen der Baukosten in einem frühen Stadium können Kostenziele definiert und die Kostenrisiken minimiert werden.
Welche Wichtigkeit haben Fachorganisationen für Ihre Funktion?
Fachorganisationen sind eine gute Möglichkeit, das Netzwerk zu erweitern und über dieses Netzwerk interessante Informationen zum Stand der Technik zu erhalten.
Was würden Sie jemandem empfehlen, der sich für Ihre Funktion interessiert?
Zum einen braucht es Durchsetzungsvermögen, die Baukosten dem Kunden zu verkaufen. Dem Bauherrn sind sie zu hoch, dem Unternehmer zu niedrig. Zum anderen braucht es ein Gespür für den Markt. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“, letztendlich ist der endgültige Preis Verhandlungssache.
Wie hat sich die Bauwelt aus Ihrer Sicht in den letzten zehn Jahren verändert?
Der Termindruck und die Komplexität der Gebäude sind stetig gewachsen, dadurch leidet manchmal die Qualität.
Was muss sich in der Bauwirtschaft aus Ihrer Sicht in den nächsten fünf Jahren ändern?
Der enorme Fortschritt der digitalen Werkzeuge sollte noch mehr in die Bauwirtschaft integriert werden, so dass Abläufe verbessert und die Koordination zwischen den verschiedenen Partnern in einem Bau vereinfacht werden können.
Über wen möchten Sie an dieser Stelle als nächstes gerne lesen?
Ein Sprichwort sagt: Andere Länder, andere Sitten. Mich würden die Unterschiede von England, dem Ursprungsland der Bauökonomen, und der Schweiz interessieren. Deshalb fände ich es spannend, von einem „echten“ Quantity Surveyor“ zu lesen.
Projektleiterin

Gaby Winsauer (44), ist Projektleiterin für Bauökonomie bei Halter AG | Entwicklungen in Zürich. Sie absolvierte nach einer Lehre als Hochbauzeichnerin ein Architektur-Studium in Luzern. Seit 18 Jahren arbeitet sie als Baukostenplanerin, davon die letzten 3 Jahre für einen Immobilien-Entwickler.  Sie ist Mitglied mit Titel Bauökonomin AEC von maneco und bis vor gut einem Jahr betreute sie als Vorstandsmitglied die Vereins-Webseite.